Heiraten

Sollte man sich zum Heiraten entschließen muss man vorher exakt planen.
Damit nachher nicht irgendein Name in den Papieren steht, den man selbst nicht lesen kann sollte zuerst geklärt werden: „WEN heirate ich denn am Besten?“
Und schon wird es kompliziert. Soll es der Briefträger sein? Der nette Mann aus dem Nachbarhaus? Oder nehme ich den, der eh schon seit über einem Jahr bei mir wohnt?

Auf jeden Fall sollten hier streng gesteckte Kriterien gesetzt werden, um im Nachhinein nicht in die Enttäuschung zu stürzen:
- Mr. Right sollte einem absolut hörig sein.
- ER sollte mindestens 10 Jahre jünger sein
- Ein Auto ist Pflicht
- Handwerkliche Begabung ist von Vorteil

Also ist es der, der vor einigen Monaten in mein Schlafzimmer eingezogen ist, und nun nicht mehr gehen will.



Das Nächste wäre nun ihn zur Heirat zu drängen, ohne daß er es selber merkt - oder noch besser - glaubt ER wäre auf die Idee gekommen.
So wird sein männlicher Stolz nicht verletzt, und das Ganze ein wenig voran getrieben.

Gleichgültig ob nun er sie, oder sie ihn fragt, gilt es immer den richtigen Augenblick, und den richtigen Ort ab zu passen.
In diesem Fall war es nun ein Mittelaltermarkt ( Feencon ) im sonnigen Juli.

Er war ausgelassen, und ich habe mich in mittelalterliche Schale geschmissen.

JETZT

war der richtige Augenblick in altbewährter Frauenmanier auf die Tränendrüse zu drücken.
„Hach ja, wenn wir dann doch mal irgendwann heiraten, könnten wir ja eine Mittelalterhochzeit machen.“

...und schon hatte ER eine grandiose Idee: Eine Mittelalterhochzeit!

Von hier an sollte man nichts mehr anbrennen lassen, damit diese Idee nicht wie die vielen anderen Ideen z.B. rund um die Wohnung Staub ansetzt, und letztlich noch verjährt.
Also auf der Stelle Brautkleid und Gewandung für's Gefolge sichern ( in unserem Fall Adel und Volk ), und spätestens am nächsten Tag einen Termin klar machen.

Dieser sollte für die Gäste an das Wetter angepasst ausgewählt sein.
Wenn die Feier möglichst kurz und die Hochzeitsnacht möglichst lang sein soll ist die Zeit Dezember bis April ideal.
Wenn eine lange Hochzeitsnacht keine Aussicht auf irgendetwas bringt, was man vorher noch nicht kannte, sollte man den Termin nicht zu weit in die kalte Jahreszeit schieben.
So hatten wir es mit Halloween recht gut getroffen, und lange in den späten Abend hinein gefeiert.

Aber so weit ist es noch lange nicht!
Das Nächste ist ein angemessener Ort, an dem man mittelalterlich feiern kann.

Nach dem wir ausnahmslos alle mietbaren Burgen und Schlösser der Umgebung abgeklappert hatten, war uns klar daß das kein Sterblicher bezahlen kann.
Die handelsübliche Burg um die Ecke kostet für den Abend ab 2000,-€ Miete. Da ist dann aber weder was zu essen, noch was zu trinken dabei.
Das muss extra gekauft werde, und darf dann auch nicht mitgebracht werden.
So hatte mein Männlein dann einige Tage damit verbracht ein Restaurant zu finden, das irgendwie mittelalterlich ist.
Nun wurde die Zeit aber stetig knapper, und so habe ich dann aus dem Branchenbuch was nettes ausgesucht.

VORSICHT!
Wir wissen ja schon, daß ER die Ideen haben muss, da sonst mit seinem fallenden Stolz die ganze Feier stürzen könnte.
Also sind wir zusammen zur Mühle ( Mühle zu Blankenberg ) gefahren, damit ER sagen kann daß es perfekt ist.

Zu den weiteren Vorbereitungen gehören natürlich die Einladungen, die uns Hanna freundlicher Weise angefertigt hatte, und dem Datum angemessen eine Armee an ausgehöhlten Kürbissen.
Auch hier ist dringend zu beachten ihn im geringen Umfang teilnehmen zu lassen, damit er weiterhin im Glauben lebt einen wichtigen Teil mit beizutragen.
Nun noch das Schwierigste: Der Hochzeitstanz

Es gibt Männer, die können schlecht tanzen, und es gibt Männer die können gar nicht tanzen.
Und es gibt meinen Mann.
Nun ist es besser er bewegt sich irgendwie auf der Tanzfläche, als wenn er sich dem Tanzen gänzlich verweigert.
So habe ich einfach geduldig abgewartet ob und wie er sich einen Mittelalter-Hochzeitstanz vorgestellt hatte.
Und auch wenn das was er da abgeliefert hatte ( zu „immer die selbe Leier – Schandmaul“ ) eher von geringer Intelligenz und mangelndem Geschick zeugt, so hatte es doch einen eingängigen Rhythmus und war von einer solch primitiven Naivität, daß es einfach Spaß gemacht hatte.
Alle Achtung!


Nun konnte es also losgehen:
Ab in die Kirche!
Nun gilt es darauf zu achten, daß er nicht so kurz vor dem Ziel kreislaufbedingt vom Hocker fällt.
Ab und zu ein wenig frische Luft wedeln wirkt hier meist schon Wunder.
Sollte das nicht reichen kann auch ein kräftiger Ruck mit dem Ellenbogen im unteren Bereich des Brustkorbs angesetzt werden.
Wer solche Methoden für übertrieben hält sollte sich vor Augen halten, was hier auf den letzten Metern der Zielgerade auf dem Spiel steht.

Wenn dieser entscheidende Abschnitt beendet ist beginnt er erholsame Teil der Feier.
Die ersten Gäste haben auf nüchternen Magen den Sekt scheinbar eimerweise verarbeitet, und strahlen als wenn es schon wieder Mai wäre.
Da hat sich gleich zu Anfang schon der Reisebus ( Bonnreisen ) gelohnt, denn sonst hätten einige ihr Auto nicht mehr betreten dürfen.

Der Busfahrer hatte eine Engelsgeduld mit der Truppe, die zu einem Drittel aus Kleinkindern, einem Drittel pubertierender Jugendlicher, und einem Drittel angetrunkener Erwachsener bestand.
Man sollte aber an dieser Stelle allen zu Gute halten, daß über den weiteren Abend kaum Alkohol getrunken wurde.

Das ich für die Hochzeitsnacht keine Überraschungen eingeplant hatte, sollte nicht bedeuten, daß ich bei der Ankunft an der Mühle welche erwartet hätte.
Aber ich wurde überrascht! UND WIE! Meine Schwester hatte uns für den kompletten Abend einen Gaukler ( Björn den Gaukler ) engagiert.
Und der war richtig gut! Nicht nur, daß er über den ganzen Tag die Kinder beschäftigt hatte, er hatte am späten Abend auch noch eine Feuerjonglage hingelegt, die sich gewaschen hat.
Zwischen den Auftritten des Gauklers lag noch das Essen, das ich zwar kaum in Worte fassen kann, aber keinem vorenthalten will.
Es war einfach unglaublich. Zusammen mit der netten Bedienung hatte alles zusammen einfach gepasst, und den Abend perfekt gemacht.